Bau dir dein bedingungsloses Grundeinkommen doch selbst

Das bedingungslose Grundeinkommen (kurz: BGE): Seit geraumer Zeit „geistert“ dieser Begriff in den Medien und vielleicht auch in der einen oder anderen privaten Diskussion herum. Die Anhänger des BGE werden dabei immer mehr. Ob das eines Tages Realität wird? Wer weiß… Vorstellen könnte ich mir das. Nicht deshalb, weil ich ein Anhänger dieser Idee bin und das aus diesem Grund heraus gern möchte, sondern rein aus politischen/wirtschaftlichen Überlegungen.

In diesem Beitrag werde ich zunächst auf einige allgemeine Gedanken zu diesem Thema eingehen. Erst im zweiten Teil des Artikels spreche ich konkret darüber, wie man sich das bedingungslose Grundeinkommen selbst zusammenbaut.

Ich möchte an dieser Stelle auch klarstellen, dass ich weder für noch gegen das bedingungslose Grundeinkommen bin. Hier geht es um rein praktische Überlegungen für Menschen, die sich ein bedingungsloses Grundeinkommen selbst konstruieren möchten.

Die Notenbanken weltweit versuchen seit vielen Jahren mittels einer expansiven Geldpolitik die Wirtschaft zu stimulieren. Das klappt dann mehr oder weniger gut. Häufig denkt man in diesem Zusammenhang an die Beeinflussung durch den Leitzins. Oder auch der Aufkauf von Staatsanleihen und sogar Unternehmensanleihen. Doch Notenbanken haben noch viel mehr Möglichkeiten. Mehr als die meisten sich überhaupt vorstellen können.

Helikoptergeld als erste Stufe des BGE

Das sogenannte Helikoptergeld, das heißt die Schöpfung von Geld und dessen Verteilung direkt an Staat oder an Bürger, ist eine sehr extreme Form der expansiven Geldpolitik. Die direkte Verteilung von Geld über die Zentralbank an Bürger gab es bis dato noch nicht – zumindest nicht in den westlichen Industrienationen. Mittels dieses Helikoptergeldes sollen die Verbraucher zum Konsum angeregt werden und das Geld damit wieder der Wirtschaft zugeführt werden. Die Politik der EZB oder auch der FED (US-Amerikanische Zentralbank) ist, durch die Geldpolitik Einfluss auf die Wirtschaft zu nehmen. Die Aufgabe der FED ist beispielsweise wesentlich umfassender als die der EZB. Die FED zum Beispiel, soll unter anderem für eine niedrige Arbeitslosigkeit sorgen. Ein Mandat, welches die EZB nicht hat.

Die verbreitetste Maßnahme um Einfluss zu nehmen, ist die Erhöhung oder Senkung des Leitzinses. Es gibt daneben noch weitere Möglichkeiten, doch das ist die medial am meist diskutierteste.

Wie realistisch ist das bedingungslose Grundeinkommen oder das Helikoptergeld?

Ehrlich gesagt weiß ich das auch nicht. Aber wenn die klassischen Möglichkeiten – wie Senkung des Leitzinses oder Aufkaufen von Staatsanleihen – nicht den gewünschten Effekt bringen, könnte ich mir persönlich vorstellen, dass in einer entsprechend heiklen Situation die Notenbanken auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen. Das Helikoptergeld kommt dann genau dort an, wo es die Zentralbank auch haben möchte: Beim Konsumenten. Natürlich möchte man diesen Schritt sicherlich so weit wie möglich vermeiden, aber denkbar wäre er.

Ist Helikoptergeld das gleiche wie bedingungsloses Grundeinkommen?

Nein, das kann man so nicht sagen. Das Helikoptergeld KANN in Form eines bedingungslosen Grundeinkommens gezahlt werden. Aber wahrscheinlich ist eher, dass es sich um einen einmaligen Effekt bzw. Zahlung handeln wird. Ein Beispiel:

Die EZB überweist jedem EU-Bürger einmalig 1.000 Euro auf sein Girokonto.

Das ist Helikoptergeld. Es KANN auch bedingungslos gezahlt werden, MUSS aber nicht. Denkbar wäre beispielsweise, dass der Empfänger dieser Zahlung das Geld nur für den Konsum, sprich den Kauf von irgendetwas benutzen darf. Wie man das technisch sicherstellt, dass das auch so gehandhabt wird, ist eine andere Sache, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.

Bedinungsloses Grundeinkommen doch nicht bedinungslos?

Ein vielleicht zu Beginn bedingungslos gezahltes Grundeinkommen, ist später nicht mehr bedingungslos erhältlich.

Von einem Grundeinkommen kann man hier natürlich überhaupt nicht sprechen, da es nur eine einmalige Zahlung ist. Nur wenn die EZB diese Zahlung regelmäßig durchführt, zum Beispiel monatlich oder quartalsweise, und diese Zahlungen nicht einstellen wird, könnte man von einem Grundeinkommen sprechen.

  • Helikoptergeld ist nicht automatisch das gleiche wie bedingungsloses Grundeinkommen
  • Denn wahrscheinlich ist eher, dass es nur einmalig bzw. über einen sehr begrenzten Zeitraum hinweg gezahlt wird
  • Möglicherweise ist es nicht einmal bedingungslos, sondern an Voraussetzungen gekoppelt, wie beispielsweise, dass der Empfänger das Geld verkonsumieren muss.

Ist das realistisch?

Auch hier habe ich keine Antwort darauf. Wie bereits erwähnt, könnte ich mir vorstellen, dass die EZB oder auch andere Notenbanken das Helikoptergeld in der Form zahlen, dass die Bürger eine einmalige Zahlung – möglicherweise auch mehrfache Zahlungen – erhalten, die sie für den Konsum nutzen müssen. Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens kann ich mir derzeit jedoch nicht vorstellen. Bei dieser Diskussion wird ja immer in den Raum gestellt: „Wer soll das bezahlen?“. Ich bin der Meinung, dass einige Politiker durchaus damit liebäugeln, dass die Notenbank das Geld dafür aufbringt. Denkbar ist auch, dass man die Bevölkerung durch eine solche Zahlung leichter steuern kann. Eventuell wird diese Zahlung dann im Laufe der Zeit auch nicht mehr „bedingungslos“, sondern ist an gewisse Gegenleistungen gekoppelt, die jedoch eher ideologischen Ursprungs sind und nicht aus einer rein praktischen Überlegung heraus stammen.

Ob das gut oder schlecht ist; welche Folgen das für die Wirtschaft, das Sozialsystem und für den Einzelnen haben wird, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Auch darauf möchte ich hier nicht näher eingehen. Ganz einfach auch deshalb, weil es niemand seriös prognostizieren kann.

Prinzip des bedingungslosen Grundeinkommens auf individueller Basis

Es gibt nicht wenige, die der Meinung sind, man solle ein bedingungsloses Grundeinkommen besser nicht einführen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Gleichzeitig bin ich mir jedoch sicher, wenn man diesen Personen ein solches anbieten würde – natürlich nur für sie oder einen kleinen elitären Zirkel – würden sie sofort zuschlagen. Ähnlich verhält es sich mit einem Lottogewinn, entweder als Einmalsumme oder in Form einer Leibrente. Ich glaube nicht, dass die „Gegner“ des bedingungslosen Grundeinkommens eine solche ablehnen würden.

Mit anderen Worten: Sobald man den Gedanken des bedingungslosen Grundeinkommens weg von der Zahlung für die Allgemeinheit hin auf Ebene der Zahlung nur für Einzelne zieht – auf sich selbst – ändert sich die Betrachtungsweise.

Das ist völlig normal und auch nachvollziehbar. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist im Prinzip nichts anderes wie ein passives Einkommen. Ein passives Einkommen aus Dividendenzahlungen beispielsweise wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen. Bedingungslos deshalb, weil es der Empfänger ohne jede Bedingung erhält und mit dem Geld tun und lassen kann was er will. Gleichzeitig muss er sich um nichts kümmern.

Bei einem bedingungslosen Grundeinkommen bestehend aus Dividendenzahlungen kauft der Anleger die Wertpapiere einmal und erhält automatisch zum jeweiligen Zahltag das Geld auf sein Girokonto. Es handel sich nur um ein Beispiel. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten.

Die Fabel von der Gans die goldene Eier legt

Zugegeben, die Idee an sich ist nicht neu und stammt noch nicht einmal aus unserer „Neuzeit“. Bereits der griechische Dichter Äsop sprach in seiner Fabel von der Gans die goldene Eier legt, genau dieses Thema an. Andere nennen es auch nicht bedingungsloses Grundeinkommen, sondern passives Einkommen oder eine finanzielles Pipeline. Der Gedanke dabei ist immer derselbe: Nicht Zeit gegen Geld eintauschen. Sondern man erhält Geld/Einkommen unabhängig von einem Zeiteinsatz.

Sind Dividendenzahlungen ein „echtes“ bedingungsloses Grundeinkommen?

Naja, es kommt darauf an, wie man „bedingungslos“ definiert. Ohne jegliche Bedingungen, wie ich vorherigen Abschnitt geschrieben habe, bekommt man Dividenden natürlich nicht. Man muss zumindest die Wertpapiere im Besitz haben, sprich, sie gekauft haben. Und eine Mindesthöhe der Dividenden ist auch nicht bis in alle Ewigkeit unveränderlich und garantiert. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit bei einigen monatlichen Dividendenzahlern doch sehr gering ist, dass sie die Ausschüttungen kürzen, so gibt es keine absolute Garantie. Obwohl es die bei einem staatlichen bedingungslosen Grundeinkommen auch nicht gäbe.

Aber dieser Punkt dürfte eigentlich wieder die „Gegner“ des bedingungslosen Grundeinkommens ansprechen. Nicht der Aspekt, dass die Dividenden gestrichen oder reduziert werden könnten, sondern das man im Prinzip schon etwas dafür tun muss, nämliche die Wertpapiere kaufen bzw. die Anlageform, die für eine konstante Ausschüttung sorgt. Denn ein Argument, welches oft vorgebracht wird, ist, dass es inakzeptabel ist, wenn Menschen ohne jegliche Gegenleistung eine Geldzahlung erhalten. Man soll schließlich für sein Geld auch arbeiten.

Und das ist ja zunächst Voraussetzung für die Konstruktion eines eigenen passiven Einkommens bzw. bedingungslosen Grundeinkommens. Man benötigt Kapital um dieses anzulegen und von den Früchten zu leben. Und dieses Kapital werden sich die meisten erst einmal erarbeiten müssen. In welcher Form das Geld angelegt wird, spielt erstmal keine Rolle.

Hinweis: Es müssen ja nicht Wertpapiere sein. Auch mit anderen Formen lassen sich regelmäßige passive Einkünfte erzielen, wie zum Beispiel P2P Kredite oder auch mit Hilfe von Bankeinlagen, Webseiten, Immobilien (Mieteinnahmen), Tax Liens oder eines Unternehmens das man selbst besitzt, oder, oder, oder… Ich habe an dieser Stelle nur beispielhaft Wertpapiere angeführt. 

Konstruktion eines bedingungslosen Grundeinkommens

Bedingungsloses Grundeinkommen selbst konstruieren

Die Schaffung eines passiven Einkommens ähnelt dem Pflanzen und der Bewirtschaftung eines „Geldbaumes“, deren Früchte man ernten kann.

Nun haben wir einige Gedanken zum bedingungslosen Grundeinkommen respektive passiven Einkommens besprochen und können uns an die Konstruktion des bedingungslosen Grundeinkommens langsam heranwagen. „Langsam“ deshalb, weil es hier keine allgemein gültige Aussage darüber gibt, wie ein solches auszusehen hat. Außerdem hat jeder andere Voraussetzungen und Umstände. Auch wenn man sicher die Ausgangslage in gewisse Kategorien einteilen kann, wie beispielsweise:

  • Kein Vermögen, nur Schulden
  • Keine Schulden, aber auch kein nennenswertes Vermögen
  • Etwa 20.0000 bis 50.000 Euro Vermögen
  • 50.0000 Euro bis 150.000 Euro Vermögen
  • Mehr als 150.000 Euro Vermögen

Diese Aufzählung dient nur zur Verdeutlichung. Die Einteilung ist dabei recht willkürlich gewählt. Aber Fakt ist: Zur Generierung eines passiven Einkommens respektive bedingungslosen Grundeinkommens muss Kapital vorhanden sein. Je mehr desto besser bzw. einfacher. Da dies aber bei den meisten Menschen eben (noch) nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist, sprechen wir darüber, wie man sich nach und nach ein bedingungsloses Grundeinkommen selbst konstruiert.

Was sind die Voraussetzungen für die Konstruktion eines bedingungslosen Grundeinkommens?

Wie nun bereits mehrfach angedeutet ist die wichtigste Voraussetzung Kapital. Die Idee ist recht simpel: Man legt Geld an oder investiert es. Im Gegenzug erhält der Anleger Ausschüttungen. Abhängig von der Art der Geldanlage handelt es sich dabei um Zinsen, Dividenden oder sonstige Einnahmen. Die Ausschüttungen die der Investor erhält stellt das bedingungslose Grundeinkommen dar. Oder man nennt es die finanzielle Pipeline oder das passive Einkommen oder wie auch immer.

Abgesehen vom Kapital gibt es 2 weitere wichtige Voraussetzungen: Der Wille und das Durchhaltevermögen. In Bezug auf den nächsten Abschnitt ist es nämlich in der Regel so, dass die meisten eben (noch) nicht über ausreichend Kapital verfügen, um von den Früchten zu leben. Dieses Kapital kann man sich aber im Laufe der Zeit ansparen und erarbeiten. Und genau dafür benötigt man Durchhaltevermögen und den Willen dazu.

Wie viel Geld oder Kapital brauche ich denn?

Hier handelt es sich um ein sehr individuelles Thema, dessen Ergebnis von mehreren Faktoren abhängig ist. In erster Linie ist das natürlich davon abhängig, welchen Lebensstandard man haben möchte. Es ist schließlich ein Unterschied, ob man 1.000 Euro oder 3.000 Euro monatlich benötigt. Grundsätzlich kann man mit recht einfachen mathematischen Mitteln berechnen, wie viel Kapital man benötigt.

Beispielrechnung für passives Einkommen

Beispielrechnung

An dieser Stelle ein einfaches Beispiel. Gehen wir mal nur davon aus, dass das erste Ziel darin besteht, einen 450-Euro-Job in Form eines passiven Einkommens zu erwirtschaften. Von einem Grundeinkommen kann man bei dieser Summe wohl noch nicht sprechen. Doch es macht Sinn, sich Etappenziele zu stecken.

Die mathematische Formel lautet: Zinsen = (Kapital * Zinssatz * Tage) / (365 x 100)

Die 450 Euro im Monat ergeben 5.400 Euro pro Jahr und entsprechen den Zinsen in der Formel. Was wir außerdem haben ist „Tage“ (in dem Fall 365, also 1 Jahr). Wir suchen „Kapital“. Was wir aber noch bräuchten ist der Zinssatz und den müssen wir einfach mal annehmen.

Die Formel nach dem Kapital umgestellt und auf das Jahr bezogen lautet dann nur noch:

(Zinsen * 100) / Zinssatz = Kapital

Bei einem Zinssatz von x% benötigt man x€ Kapital um im Jahr einen Ertrag von 5.400 Euro zu erhalten:

  • 1%: 540.000 Euro
  • 2%: 270.000 Euro
  • 3%: 180.000 Euro
  • 4%: 135.000 Euro
  • 5%: 108.000 Euro
  • 10%: 54.000 Euro

Ok, das ist doch schon mal eine Ansage. Ich brauche also 54.000 Euro um bei einem Zins von 10% ein monatliches passives Einkommen von 450 Euro zu erhalten, ohne das Kapital zu verzehren. Es wird also deutlich, dass abgesehen von der Höhe des zu erwartenden Einkommens, die Rendite der Geldanlage ein entscheidender Faktor ist. 54.000 Euro ist eine ganz andere Hausnummer als 540.000 Euro.

Und da kommen wir zur nächsten Frage: Welcher Zins oder welche Rendite ist realistisch? Am besten ist, man fragt 10 verschiedene Finanzexperten. Ich verspreche, man erhält dabei 11 Meinungen. Welcher Zins bzw. welche Rendite möglich ist und mit welchen Anlagemöglichkeiten und Strategien man das umsetzen kann, bespreche ich im nächsten Artikel.

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